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Stolz
darauf, erste Erfolge zu sehen, ist auch Robert Sempach. Dass die Kinder
den Weg vom Dorf hinauf auf den Berg nach zehn Tagen Bewegungstraining,
morgendlichem Joggen oder Walken und nachmittäglichen Velotouren
mühelos unter die Füsse nehmen, dass sie beweglicher geworden
sind und ihre Fitness deutlich verbessert haben, dies freut ihn. «Was
wir vermitteln wollen», sagt er, «ist auf fruchtbaren Boden
gefallen.» Die Kinder kehrten nun als Expertinnen und Experten nach
Hause zurück, sie wüssten, worauf sie beim Kochen und Essen
achten sollten, und sie hätten erfahren, dass zum Abnehmen beziehungsweise
zur gesunden Ernährung wohl ein gewisser Verzicht gehört, ein
Verzicht auf Süssigkeiten etwa oder auf fettige Snacks, dass jedoch
niemand zu hungern braucht. So kann sich, wer will, im Lager während
jeder Mahlzeit einen zweiten Teller holen; wer von einem übermächtigen
«Gluscht» geplagt ist, darf sogar zur «Süsskiste»
greifen, und wenn das Ersehnte dort weder zu finden noch durch eine andere
Köstlichkeit zu ersetzen ist, dann fährt jemand vom Team ins
Dorf und kauft das Gewünschte ein. «Aber wir besprechen dann,
wie viel Schokolade, Eistee oder Coca-Cola es braucht, um den mächtigen
Gluscht zu stillen», betont Robert Sempach. Er selbst
weiss, ja wir alle wissen es aus eigener Erfahrung: Nach zwei Reihen Schokolade
braucht es nicht zwingend fünf weitere, damit der «Gluscht»
gestillt ist, der Lustgewinn durch fünf zusätzliche Reihen ist
gering. «Die Lust nach Süssigkeiten oder Snacks», sagt
Robert Sempach, «verläuft wie eine Wellenbewegung, sie nimmt
ab, nimmt wieder zu und lässt sich oftmals vergessen machen, durch
einen Apfel etwa, ein Glas Tee oder durch ein anderes gesünderes
Produkt.» Erst wenn sie gar nicht verschwinde, so Robert Sempach,
sei es besser, ihr nachzugeben. Damit der Verzicht nicht plötzlich
im Heisshunger ende, in einer grossen «Sünde».
Im Sommerlagen
wird den Kinder nicht allein dabei geholfen, ihre Essgewohnheiten zu ändern
und sich häufiger zu bewegen, sie sollen auch lernen, zu sich selber
zu stehen. Sich so zu akzeptieren, wie sie sind. Und das eigene Wohlfühlgewicht
zu finden. Dieses nicht mit dem so genannen Idealgewicht zu verwechseln,
betont Robert Sempach, sei äusserst wichtig: «Niemand muss
genau 65 Kilogramm wiegen bei einer Körpergrösse von 1.70, es
dürfen durchaus einige Kilogramm mehr sein; wichtig ist, dass man
dies, dass man sich akzeptiert.»
Einige der
Jungen und Mädchen werden nach dem Sommerlager ihr «Wohlfühlgewicht»
erreicht haben, für manche wird das Abnehmen weitergehen. Cüneyt,
der stolz ist auf seine im Lager gewachsenen Muskeln, will gleich 15 Kilogramm
abnehmen. Aber nicht sofort, räumt er ein, «sondern step by
step», Schritt für Schritt. Zu diesem Zweck wird er weiterhin
auf Vollkornprodukte achten, die besser sättigen, er wird seiner
Grossmutter einige Tips erteilen, wie sie gesünder kochen kann, er
wird, wenn überhaupt, fettarme Chips kaufen, langsamer essen und
nicht mehr bei jeder Mahlzeit zwei gehäufte Teller verschlingen,
und er wird regelmässig Sport treiben. Damit die schönen Muskeln
nicht gleich wieder weg sind, kaum ist das Lager vorbei.
Vorsätze
wie diese bringen alle Kinder zu Papier, in einem «Vertrag»
mit dem Leitungsteam und in einem Brief an ein Mitglied der Familie, an
eine Vertrauensperson also, die um Rat oder Unterstützung gebeten
werden kann, wenn auf dem Weg zum Idealgewicht plötzlich Hindernisse
auftauchen, wenn der Weg steinig wird oder schmal. In solchen Fällen,
rät Robert Sempach, dürfe man auf keinen Fall den Mut verlieren
und denken, beim club minu verhalte es sich wie bei den Diäten, der
Erfolg stelle sich eben doch nie wirklich ein. Oder er sei nicht von langer
Dauer. «Auch die Niederlagen», sagt er, «muss man ertragen
können.» Sich unter Druck zu setzen, helfe deshalb nichts,
weil dann oft das Gegenteil eintrete: Als würde man von einem Gummiband
gezogen, falle man zurück in alte Gewohnheiten, habe deshalb ein
schlechtes Gewissen, flüchte sich erneut in die leckere Gegenwelt
und finde den Ausweg erst recht nicht mehr.
Diesen Ausweg
haben sie fürs Erste gefunden, die Kinder des club minu. Bis Ende
Jahr werden sie sich noch einige Male treffen und werden auch ihre Eltern
nach Zürich fahren, um gemeinsam über die kleinen und grossen
Stolpersteine zu sprechen, die auf dem Weg zum Wohlfühlgewicht liegen.
Oder um sich gemeinsam über erreichte Ziele zu freuen. Dass diese
zu erreichen sind, vermögen inzwischen zahlreiche Kinder zu bestätigen:
immerhin werden es nächstes Jahr zehn Jahre her sein, seit die ersten
Kinder leichter und erleichtert vom Sommerlager des club minu zurückgekehrt
sind. Von ihnen, ist Robert Sempach überzeugt, könnte manche
erwachsene Person etwas lernen, die unter ihrem Übergewicht leidet.
«Kinder», stellt er fest, «gehen das Problem Übergewicht
viel spielerischer an als Erwachsene.»
Davon also,
dass zu leiden hat, wer abnehmen will, kann keine Rede sein.
Text: Iwan
Raschle, Bilder: Gian Vaitl
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